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Das unsichtbare Gesicht

- mit Bild -

Die Gedanken kreisen. Sie vereinigen sich zu einem Bild, das Phan­tasien und Erwartungen am Gipfel der Realitätsflucht zeigt. Auf diesem Bild erkennt man die Flugbahn kleiner Teilchen, die sich zu symbolischen Elementen der neurotischen Fixierung zusammenfinden. Sie werden dargestellt durch eine Zusammenlagerung von Fragmenten der bewußten und unbewußten Gedanken an einen sonnigen Tag.

Zum Ziel aller Bestrebungen führt ein Weg über eine neunzehn­stufige Treppe, der am Ausgangspunkt endet. Er wird bewacht von zwei Augen, die starr und gedankenlos den Raum sondieren. Eines der beiden Augen hat die Pupille gegen einen Tunnel vertauscht, um mehr Tiefe zu gewinnen. Am Ende des Tunnels brennt ein schwaches Licht, und wie alle Lichter, weiß es nicht für wen. Das andere Au­ge scheint traurig zu sein und nutzt jede Gelegenheit dies zu zei­gen.

Aus dem Schatten eines Bogenganges wächst eine Landschaft her­aus, die unter der Last der Ideale stöhnt. Aus ihr steigen Wolken der Erinnerung auf, die sich an der Leidenschaft wärmen und die Struktur von Galaxien und Spiralnebeln zeigen.

Auf halbem Wege, zwischen Sympathie und Liebe, schiebt sich ein Keil aus Trotz und Eigensinn, der auch das Lächeln in der Ferne einfrieren läßt. Dieses Lächeln wird aus vier Zähnen, einer Nase und Wasserwellen gebildet, die nach einem genetischen Bauplan angeordnet sind. Zusammen stellen sie auch den Moment des Zerfalls einer Idee dar.

Über den Augen ruht ein Gehirn, aus regelmäßiger Melancholie, das machtlos den erdrückenden Gedanken an

Geburtstag,

Jugend,

Egoismus,

Therapie,

Leidenschaft,

Wahnsinn,

Tod

und Verwesung ausgeliefert ist.

Aber Auswege sind immer geboten. Auch wenn sie durch Wüsten und über Ozeane führen. Doch wer geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, was dem Unmöglichen möglich und dem Möglichen unmöglich ist? Bei schönem Wetter wandert man leicht, aber wenn die Beine vom Sumpf aufgesaugt werden und die Hände vergeblich nach Halt su­chen, die Augen nur Dunkelheit sehen und das Herz nur Leere fühlt, dann ist entkommen das Gebot der Stunde.

 

 


 

13.11.1981 -  N. Burger


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